Betroffen sind 44 Berufe aus unterschiedlichen Berufsfeldern / Andere Provinzen könnten dem Beispiel folgen / Von Eva Späte
Um in Kanada eine Arbeitsstelle antreten zu können, müssen Ausländer im Normalfall einige Hürden überwinden. Québec hat dieses Verfahren nun für einige Berufsgruppen vereinfacht und auf wachsenden Bedarf am Arbeitsmarkt reagiert. Damit übernimmt es möglicherweise auch eine Vor-reiterrolle für andere kanadische Provinzen.
Am 1.4.2012 hat das Ministerium für Immigration der Provinz Quebéc (Ministère de l'Immigration et des Communautés culturelles - MICC) ein neues vereinfachtes Verfahren für die Beantragung einer Arbeitsgenehmigung für Ausländer in Kraft gesetzt. Dieses Verfahren gilt nunmehr für 44 Berufe aus unterschiedlichen Berufsfeldern anstatt - wie zuvor - nur für sieben Berufe im IT-Sektor. Dies ist eine wichtige Neuerung insbesondere für Arbeitgeber, die Mitarbeiter firmenintern aus dem Ausland nach Québec versetzen möchten.
Der größte Vorteil des neuen Systems liegt darin, dass Arbeitgeber nicht nachweisen müssen, dass sie zuerst versucht haben, einen Kanadier oder einen Ausländer mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung (permanent resident) für den Job zu akquirieren. Zudem sollen die entsprechenden Anträge von den Behörden bevorzugt behandelt werden, was die Bearbeitungszeit voraussichtlich wesentlich verkürzen wird.
Die Liste mit den 44 Berufen hat das MICC in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Arbeit und Soziales der Provinz Québec (Ministère de l'Emploi et de la Solidarité sociale - Emploi Quebéc) erstellt. Sie enthält diejenigen Berufsfelder, auf deren Gebiet erwiesenermaßen Arbeitskräfte fehlen.
Dazu gehören u.a.
- verschiedene Managementpositionen wie beispielsweise Personalvorstände, Sales-, Marketing- und Advertising-Fachleute sowie Groß- und Einzelhandelskaufleute;
- einige Berufe aus dem Gesundheitssektor, wie beispielsweise Ärzte (allgemein oder spezialisiert), Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Physiotherapeuten, Krankenschwestern/ -pfleger und Me-dizintechniker;
- Bauingenieure und Raumfahrtingenieure;
- bestimmte IT-Berufe wie z.B. IT-Analysten und IT-Consultants, Softwareingenieure und Soft-waredesigner, Programmierer und Interactive Media Developers und Information Systems Testing Technicians;
- andere geringer qualifizierte Beschäftigungen.
Üblicherweise müssen Firmen in Kanada bei der Beantragung von Arbeitsgenehmigungen für Ausänder zunächst eine sogenannte "Labour Market Opinion" (LMO) beim Department of Human Re-sources and Skills Development Canada ("Service Canada") einholen, solange kein Ausnahmetat-bestand besteht. In der Provinz Québec wird die LMO von Service Canada und dem MICC gemeinsam ausgestellt und muss deshalb auch parallel bei beiden beantragt werden.
Nur bei Vorliegen einer LMO kann eine Arbeitsgenehmigung ausgestellt werden. Bevor Firmen die LMO jedoch überhaupt beantragen können, müssen sie die Stelle zuerst nach den Richtlinien von Service Canada öffentlich ausschreiben, damit qualifizierte Kanadier und permanent residents eine faire Chance haben, sich auf die Stelle zu bewerben, bevor sie einem Ausländer angeboten wird.
Für die 44 von dieser Regelung ausgenommenen Berufe müssen LMO-Anträge nunmehr aus-schließlich an das MICC gesendet werden. Dieses trifft eine vorläufige Beurteilung hinsichtlich der Eignung für das neue Programm und leitet den Antrag dann zur weiteren Beurteilung weiter an Service Canada. Die Kompetenzen werden zwischen beiden Stellen aufgeteilt.
Das MICC prüft unter anderem das Gehalt und die Arbeitsbedingungen, die dem ausländischen Mitarbeiter geboten werden und ob diese dem üblichen Niveau für entsprechende Positionen in Kanada entsprechen. Marktinformationen über übliche Gehälter stellt Emploi Québec zur Verfügung. Das MICC überprüft zudem, ob es sich um einen gesetzlich autorisierten Arbeitgeber handelt und ob die Anforderungen für die Stelle mit denen übereinstimmen, die die National Occupations Classification (NOC;
http://www5.hrsdc.gc.ca/noc/english/noc/2011/welcome.aspx) für entsprechende Berufe aufstellt.
Kritiker befürchten, dass das MICC sich bei den Überprüfungen zu sehr auf die Anforderungen der NOC verlassen könnte, ohne die Realität des Arbeitsmarktes zu beachten, in der Stellenbeschreibungen oftmals eine Kombination aus zwei klassischen NOCs darstellen und in der Stellen in großen Konzernen sich von denen in kleinen Betrieben unterscheiden.
Doch selbst die Kritiker sehen die neue Regelung als vielversprechende Neuerung. Wie viel einfacher die Prozedur in Zukunft sein wird, bleibt abzuwarten. Es ist jedoch nach Einschätzungen von Experten damit zu rechnen, dass bei positiven Erfahrungen andere Provinzen dem Beispiel Québecs folgen werden.
Quelle: Ministerium für Immigration, Quebec
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